Einführung der Bezahlkarte im Landkreis Reutlingen
Geflüchtete Menschen, die ein Asylgesuch gestellt haben, über das bislang noch nicht entschieden wurde sowie Menschen mit Duldungsstatus erhalten ab jetzt auch im Landkreis Reutlingen ihre finanziellen Leistungen zum Lebensunterhalt als Guthaben auf der sogenannten Bezahlkarte. Sie können lediglich über einen Barbetrag von 50.- € pro Person verfügen.
Die entsprechende Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes wurde im April 2024 im Bundestag beschlossen. Den Bundesländern und Kommunen obliegt die Umsetzung in der Praxis. In Baden-Württemberg begann die Einführung der Bezahlkarte Ende 2024. Das zuständige Landratsamt Reutlingen führte dazu aus, dass die Bezahlkarte Ende Februar beginnend schrittweise flächendeckend bis zum Sommer 2025 eingeführt werden soll.
Im Pressegespräch bestätigte das Ordnungsdezernat Anfang Februar, dass der zu erwartende Verwaltungsaufwand erheblich sein werde. Dies geht nicht nur zu Lasten der geflüchteten Menschen gehen, die zur Nutzung der Bezahlkarte gezwungen werden, und darauf angewiesen, dass das System reibungslos funktioniert. Und auch die Behörden- und Sozialarbeiter werden zusätzlich belastet, da sie den Prozess erklären, viele Schritte begleiten und mit einer Vielzahl von Einzelfallprüfungen rechnen müssen. Technische Probleme, wie der Ausfall der Bezahlkarte Anfang Mai 2025, sind hierbei noch gar nicht berücksichtigt.
Gerade die viel diskutierte Bargeldobergrenze von 50 EUR/Monat stellt ein Hindernis für ein selbstbestimmtes Alltagsleben dar und wirkt sich diskriminierend und stigmatisierend aus, da z.B. nicht alle Geschäfte, gerade in der Nahversorgung, diese Art von Kartenzahlungen akzeptieren. Ergänzend müssen die Kartennutzer:innen für anfallende Gebühren selbst aufkommen und werden somit weiter finanziell belastet.
Die Tauschlinge
Nachdem klar wurde, dass die Einführung der Bezahlkarte sich nicht grundsätzlich verhindern lässt, haben sich engagierte Einzelpersonen in Reutlingen zusammengeschlossen und nach Lösungen für einen möglichst diskriminierungsfreien Einsatz der Bezahlkarte gesucht.
Durch unsere Kartentausch-Stellen bieten wir solidarischen Einwohnerinnen und Einwohnern die Möglichkeit, geflüchtete Menschen pragmatisch und unkompliziert zu unterstützen.
Integration funktioniert nur in Gemeinschaft. Wir freuen uns auf Ihre und eure Unterstützung!